Taunus Bikepacking #5 – 2022

Solo self supported Bikepacking Adventure

Das Taunus Bikepacking ist eine Tour im Selbstversorgerstil. Auf der 1.000 Kilometer langen Rundstrecke gilt es ca. 20.000 Höhenmeter zu überwinden. Zwischen Main, Rhein, Lahn und Nidda gibt es viele Erhebungen zu erklimmen und viel zu entdecken. Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind während des Abenteuers auf sich gestellt, müssen sich selbst um Verpflegung kümmern, Übernachtungsmöglichkeiten finden und technische Probleme lösen. Start und Ziel des Events, bei dem bis zu 99 Fahrer und Fahrerinnen teilnehmen können, ist der Campingplatz „The Eppstein-Project“ in Eppstein-Niederjosbach. Jesko von Werthern hat mit dieser landschaftlich wunderschönen und abwechslungsreichen Strecke, die er stets selbst scouted und verbessert, ein ganz besonderes Bikepacking Abenteuer kreiert. Hier steckt sehr viel Liebe im Detail.

Nina und ich haben die Strecke unter die Räder genommen. Mit Bikepacking Ultra-Distanzen hatten wir bisher nichts zu tun. Wie es uns dabei erging und warum das Taunus Bikepacking Adventure auch für Neulinge ideal ist erfahrt ihr hier.


Noch ein Tag bis zum Start

Einen Tag vor dem Start findet die Einschreibung und Startunterlagenausgabe am Eppstein-Project statt. Also sind wir rechtzeitig vor Ort, füllen die Enthaftungserklärung aus und bekommen unseren Starterbeutel ausgehändigt. Neben dem Tracker und der Cap sind ein paar coole Goodys und Snacks sowie Aufkleber enthalten.

Wir bauen die Räder zusammen und bereiten unser Nachtlager vor – der Tracker wandert direkt in die Rahmentasche. Bei Bratwurst und ein paar Kaltgetränken lernen wir einige der Fahrer und Fahrerinnen kennen und saugen die besondere Stimmung auf. Alle sind auf ihre Art gedanklich mit dem bald startenden Abenteuer beschäftigt. Manche tauschen sich angeregt über verschiedene Themen aus, Andere sind eher ruhig und fokussiert auf das was kommt. Einige gehören zu den Veteranen und wollen sich selbst herausfordern – sie wissen schon was auf sie zukommt und freuen sich darauf. Andere wollen sich selbst austesten, die eigene Komfortzone bewusst verlassen und eigene Grenzen überschreiten.

„Get together“ mit Miriam Hamscher

Kein Konkurrenzgehabe, kein überhebliches Getue, keine abwertenden Blicke auf Räder oder Equipment! Es ist eher ein herzliches Familientreffen, ein Treffen guter Freunde und ein sehr respektvolles Miteinander – voll schön! Jesko ist in seinem Element, freut sich wirklich über jeden Anwesenden und ist voll und ganz mit der Organisation beschäftigt. Trotzdem nimmt er sich gerne Zeit für ein Gespräch. Man merkt: Das Taunus Bikepacking ist sein Baby um das er sich auf besondere Weise kümmert – und sich freut, wenn es allen gut geht.

Die Bikes sind fertig bepackt und alle elektrischen Geräte aufgeladen – wir sind müde und verschwinden im Zelt – schlüpfen in die dicken Schlafsäcke, die am nächsten Morgen wieder im Auto verschwinden werden. Im Tour-Gepäck haben wir leichtere und dünnere Schlafsäcke.

Start des Abenteuers

Kurz nach dem Frühstück und dem Gruppenfoto beginnt auch schon die Startphase. Im Minutentakt geht ein Fahrer nach dem Anderen auf die Strecke – begonnen wird mit der höchsten Cap-Number. Alle bekommen ordentlich Applaus und starten fröhlich grinsend in ein ganz besonderes Abenteuer. Die Veteranen haben die niedrigeren Startnummern und begeben sich im Anschluss der Reihenfolge nach auf die Strecke. Von 68 gemeldeten Starten gehen 57 an den Start – 11 Fahrer haben aus verschiedenen Gründen abgesagt und nehmen nicht teil.

Um 08:18 Uhr gehe ich an den Start – Nina folgt mir eine Minute später.

Caps no. 52 und no. 51 are on the run!

Die ersten Meter auf dem Gelände des Campingplatzes verlaufen schon recht steil. Ich hab mir einen schönen Song rausgesucht, bin top gelaunt und voller Vorfreude. Das Fatbike spult artig den Hügel hoch – trotz des Gewichtes von ungefähr 23 Kilogramm inklusive Gepäck und Getränkeflaschen.

Ein Fatty ist bestimmt nicht die ideale Wahl für das Taunus Bikepacking. Trotzdem gibt es für mich einige Vorteile zu meinem Gravelbike. Bessere Übersetzung, angenehmere Sitzposition, enorme Traktion in steilem Gelände und losem Untergrund, bessere Bremsen und viel Sicherheit bei schnellen Bergabfahrten. Letzteres war mir besonders wichtig, denn man wird auch mal müde und eventuell unkonzentrierter. Ich bin nachts, während der Gold-Tour des Stoneman Dolomiti, bei einer Talfahrt eingeschlafen. Seitdem fürchte ich mich davor! Die breiteren Reifen können einen Fahrfehler und zu spätes Bremsen deutlich besser wegstecken.

Salsa Mukluk: umgebaut auf 1×12. Lenker 8bar Riser Bar

Viele Fahrer wählen leichte Hardtail Mountainbikes oder Gravelbikes mit möglichst breiter Bereifung. Große Kassetten mit 50 Zähnen oder mehr sind an vielen Rädern verbaut.

Mari Pine Mountain 2 2022
Marin Pine Mountain 2

Nina hat ein Marin Pine Mountain 2 dabei. Ein MTB Hardtail mit Stahlrahmen, dass speziell für Bikepacking-Trips entwickelt wurde und eine ideale Übersetzung hat. 32er Kettenblatt vorn und eine gigantische Kassette mit max. 51 Zähnen hinten. Ihr Rad ist mit Gepäck ca. 25 Kilogramm schwer. Andere Fahrer sind teils mit nur 16 Kilo unterwegs – gute 7 bis 9 Kilo leichter als wir.

Weder Nina noch ich haben entsprechend trainiert. Eine Woche vorher hatten wir 2 Touren mit bepackten Rädern auf den Feldberg abgespult. Bei solchen Pre-Race-Testtouren lässt sich das komplette Setup ausprobieren und für kleinere Änderungen bleibt noch ausreichend Zeit.

Von Niederjosbach geht es zunächst über kleine Ortschaften zum Fuchstanz, an dem wir schon oft bei unseren Touren Rast gemacht haben – diesen Ort, ganz knapp unterhalb des Feldbergs, kennen wir gut und ich beschließe mir dort eine kalte Cola zu gönnen. Bald darauf erscheint auch meine Frau und wir fahren gemeinsam weiter.

Über Falkenstein – hier haben scheinbar einige sehr viel Geld – gelangen wir nach Eppstein. Vielen ist nicht bewusst, dass Eppstein und Niederjosbach gar nicht so weit auseinanderliegen. Wenn man außerhalb des Taunus lebt, fällt das nicht auf – wir als „Locals“ raffen aber schon, dass wir gerade im Kreis gefahren sind.

Unterwegs lernen wir einen Teilnehmer aus unserem Nachbarort kennen und fahren eine ganze Weile mit ihm zusammen. Frank ist im Trikot des Frankfurt-Eintracht Triathlon Vereins unterwegs und uns sofort sympathisch. Seine Kette springt ganz fürchterlich von einem Ritzel der Kassette zum Anderen und wir fragen uns wie lange die Kette das noch mitmacht. Die Gangwechsel erfolgen übrigens ohne Betätigung des Shifters – sein Rad schaltet quasi ungewollt von selbst.

Frank Wiessner in coolem Eintracht-Trikot

Nach einer kurzen Pause am Eppsteiner Rewe erklimmen wir den steilen Anstieg zum Kaisertempel an dem wir von der Legende Rob Packham begleitet werden. Er gehört zu den ältesten Veteranen und spult in gleichbleibender Gelassenheit den Berg hinauf.

Am Hofheimer Kapellenberg machen wir ein Foto von der Frankfurter Skyline. An der Kirche die mitten im Wald steht war früher mal die Ziellinie des Taunus Bikepacking.

Trail kurz nach Lorsbach

Über den supergeilen Trail kurz hinter Lorsbach freut sich eigentlich jeder – geht zwar bergauf, ist aber wirklich schön zu fahren. Am Friedhof in Medenbach treffen wir Jesko und Nils Laengner. Jesko möchte wissen wie es uns geht und Nils knipst fleißig mit der Kamera. Er hat Jana Kesenheimer auf ihrem Three Peaks Bike Race fotografisch begleitet. Hätten wir diesen Film nicht gesehen, wären wir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht hier.

Friedhof Medenbach

Der Weg bis nach Wiesbaden zieht sich ganz schön. Am Ortseingang von Naurod-Erbsenacker werden wir durch einen unerwarteten Streckensupport überrascht. Komoot-Fahnen, ein Stand mit jeder Menge Leckereien und Getränken, umringt von einigen Teilnehmern, die sich riesig über diesen Support seitens Komoot freuen. Wir futtern enorm viel Kuchen und Obst, trinken Cola sowie alkoholfreies Weizen und nutzen die Gelegenheit um unsere Flaschen aufzufüllen.

Hier lernen wir Silvia und Michael kennen. Mit beiden fahren wir ein längeres Stück gemeinsam. Wir quatschen mehr oder weniger die komplette Strecke – dies lenkt ab und die Kilometer vergehen wie im Nu.

Am Wiesbadener Nordfriedhof werden wir fast von einem Autofahrer umgefahren – das war eher absichtlich, stellen wir alle fest. An der Wiesbadener Platte legen wir eine kulinarische Pause ein, laden ein paar Powerbanks und ärgern uns über den unfreundlichen Kellner.

Restaurant an der Platte in Wiesbaden

In Idstein sind die Reserven an Zucker schon wieder aufgebraucht und wir stürmen eine Tankstelle um Nachschub zu holen.

Ein klitzekleines Stückchen weiter hat Michael Probleme mit seinem Navigationsgerät. Das können wir aber gemeinsam lösen und installieren auch gleich die Beleuchtung. Mittlerweile hat die Dämmerung eingesetzt. Die Dunkelheit kommt gefühlt blitzartig und wir beschließen demnächst Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsplatz zu halten.

Eine knappe Stunde später kurbeln wir durch einen engen Trail der an einem Dixi-Toilettenhäuschen endet – direkt dahinter eine große Wiese mit Nachbildung eines Limesgrenzturmes. Auf der Wiese hat sich eine größere Gruppe Bikepacker angesammelt um dort die Nacht zu verbringen. Wir sind im Eimer und beenden Tag eins ebenfalls am Kastell Zugmantel. Unser Tagesziel von 150 Kilometern haben wir nicht ganz erreicht – das ist aber nicht schlimm. Falls wir es nicht rechtzeitig zur Finisherparty schaffen sollten, ist das für uns auch okay. Wir haben genug Zeit eingeplant und wollen uns nicht stressen: der Weg ist das Ziel

Gute Nacht Silvia, gute Nacht Michael, gute Nacht Nina………………..gute Nacht John Boy

134,8 Kilometer / 2910 Höhenmeter / Gesamtzeit 13:46 h

Warum das Dörsbachtal der Hammer ist und eine Apothekerin vom Glauben abfällt, erfährst Du auf Seite 2 (unter der Werbung)

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2 Gedanken zu “Taunus Bikepacking #5 – 2022

  1. Toller Bericht! Ja, was für ein Erlebnis, und ich freue mich, das ihr nächstes Jahr auch wieder mit am Start seid. Auf viele neue schöne Momente!

    Über die Monster-Kuchen-Bröckchen musste ich auch sehr lachen 🤣

    Gefällt 1 Person

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